Wellenreiten

Früher, also damals, empfand ich es als spannend, Kurzwelle zu hören. Ich kann mich an diese lustigen Zahlensender erinnern und wie ich mich als Adjutant von James Bond fühlte, wenn ich diese Zahlenkolonnen mitschrieb: Zwo fünneff acht acht drei… zwo fünneff acht acht drei.

Ich war vielleicht 13 oder 14, genau das richtige Alter für derartige Exkursionen. Das Internet gab es noch nicht, die „richtige“ Musik kam nur ab und zu aus dem Radio und wenn, wurde sie mitgeschnitten. Mit einem Tonbandgerät! Warum fühle ich mich alt gerade?

funker

Zahlensender gibt es immer noch, obwohl der kalte Krieg längst vorbei ist. Aber wer hört noch Kurzwelle? Mit dem iPod geht es nicht und mit den momentan üblichen Mikro-Anlagen wohl auch nicht. Einen teuren Empfänger kaufen und Kurzwelle zum Hobby machen? Nun ja, wenn man nichts besseres mit sich anzufangen weiß… .

Dieser verlorene Frühling hat es dann doch geschafft, daß ich mich mit dem Thema auseinander gesetzt habe. Auslöser war ein Artikel über web-sdr, nämlich die Möglichkeit, Kurzwelle über das Internet zu hören. Unter websdr.org werden die entspechenden Anbieter (meisst Universitäten) gesammelt und verlinkt und schon kann man sich auf den angebotenen Frequenzen umhören. Eine sogenannter „waterfall“ zeigt die Spektren des ausgewählten Bereichs an und erlaubt somit auch einen visuellen Eindruck, was sich im Wellensalat gerade alles finden lässt.

WebSDR

Ich war erstaunt, wie schnell man sich darin zurecht findet. Die verschiedenen Dienste und Modi sind recht schnell verstanden und wenn nicht, kann man fragen. Die Oberfläche des web-sdr bietet gewöhnlich eine Chat-Box, über die man sich mit anderen Nutzern austauschen kann. Man wird natürlich mit Begriffen erschlagen, die man aber auch schnell drauf hat. Ich hab mich dort ein paar TAGE umgesehen und nicht WOCHEN. Aber ich bin ja auch gut :-))

Und was treiben die Menschen auf Kurzwelle? Nun ja, zunächst gibt es das klassische Radio, das in diesem Wellenbereich eine unglaubliche Reichweite erlaubt. Bei Einbruch der Dunkelheit werden die Wellen zudem von der Ionosspäre reflektiert, die so entstehende Raumwelle kann sich um den ganzen Globus erstrecken. Dies nutzen die Auslandsdienste verschiedener Länder, um mit ihren Sendungen (auch in deutscher Sprache, natürlich auch Propaganda) ein großes Publikum zu erreichen. Leider wird dieses Engagement mehr und mehr zurückgefahren, auch die Deutsche Welle hat ihre Präsenz stark eingeschränkt.

Neben den offiziellen Sendungen gibt es in ausgewiesenen Bereichen den Amateurfunk. Dort versuchen Aktive mit anderen Amateurfunkern in Kontakt zu treten, je weiter entfernt sich der andere befindet, umso spannender und herausfordernder ist die Angelegenheit natürlich. Funken darf man nicht einfach so, man benötigt eine Lizenz, einen Funk-Führerschein, dessen Erlangung kein Kinderspiel ist. Auch hier kennt der Irrsinn keine Grenzen, manche haben ihre ganze Bude und das Grundstück mit Funktechnik ausgestattet.

Aber unser Thema war ja hören. Und da gibt es natürlich auch allerlei spannende oder weniger spannende Dinge, die auf den Frequenzen stattfinden. Digitale und analoge Signale, Morsezeichen, Radar, Streams und data-bursts, ausgesendet von Menschen, Flugzeugen, EDV oder Bojen; Zeitsignale, Wetterberichte (auch per Fax) oder einfach nur Menschen die nichts besseres zu tun haben, als sich gegenseitig bunte Bildchen zu senden oder über das Wetter zu plaudern.

Antenne Japan

Es gibt Legenden wie den „Buzzer“ UVB-76 (4625 kHz), der seit 100 Jahren und einem Mittwoch mit hoher Leistung 25 Mal pro Minute einen Brummton sendet, keiner weiß wieso und warum. Und Highlights wie etwa die EAMs (Emergency Action Messages), chiffrierte Kurznachrichten der Streitkräfte, die in SKYKING-Messages gipfeln. Dies sind nichts weniger als Handlungsanweisungen an die Air-Force, auch und gerade den Einsatz von Kernwaffen betreffend. Ist man länger dabei (und/oder treibt sich in den enspechenden Foren herum) wird man schnell merken, daß ein Kim aus Nordkorea für einigen Wirbel sorgen kann.

Doch nicht nur was für Verschnarchte? Check it out!

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