Ich rede Blech

Mein eigenes Baujahr bringt es mit sich, daß ich viele Oldtimer und Youngtimer noch aus Zeiten kenne, da sie zum alltäglichen Straßenbild gehörten. Zudem hatte ich schon immer eine Affinität zu schönen Autos und schnellen Frauen. Was nicht für die Frauen gilt, aber für die Autos: Ich hatte sie (fast) alle!

alfa-romeo-gt-junior

Mein erstes Auto war ein Alfa Romeo GT als Kantenhaube, denn ich war früh den Reizen der italienischen Schönheiten verfallen. Es folgte eine Guilia TI, aber auch „normale“ Gefährte, die nur der Fortbewegung dienten. Etliche Käfer natürlich, wobei ich die älteren Semester bevorzugte, T1-Bullis in allen Aggregatzuständen, Karmänner, Alfasuds und Peugeot 504, auf die danach ein weiteres Leben in Afrika wartete.

3500GT Vignale Spider innen

Ich blieb bei den alten Kisten und geriet dadurch natürlich in Kontakt mit der sich gerade bildenden Oldtimer-Szene. Sicherlich gab es schon immer Altblech-Fetischisten, die standen aber eher auf die Messing-Schnauferl oder seltene Modelle vom Schlage eines 300SL. Neu war, daß auch „normale“ und damals noch alltägliche Kisten Liebhaber fanden, die sich in Gruppen zusammentaten und Schraubergemeinschaften bildeten.

Ein Grund dafür mag die Umstellung der Fertigungsprozesse gewesen sein. Neue Autos wirkten nicht nur seelenlos, sondern auch eher getackert als aus dem Vollen gefräst wie etwa ein Buckelvolvo. Gerade Buckel und Amazon waren anspruchslos, chic, bequem und dabei günstig zu haben. Alte Daimler waren schon immer angesagt und es mag auch an der Hippie-Philosophie gelegen haben, daß man nicht alles der Schrottpresse überlassen wollte, sondern ein Blümchen draufklebte und es ins Herz schloß.

Fahrbares Landhaus

Dann lernte ich Hartmut kennen. Hartmut klebte nirgendwo Blümchen drauf, vielmehr hätte er gern mit militärischen und nicht militärischen Kettenfahrzeugen die Landschaft planiert. Aber wir lebten nicht Amerika, also verfügte Hartmut „nur“ über eine Sammlung von Borgward-LKW, die sich sehen lassen konnte. B522, B4500, B2000 und wie sie alle heißen, dazu eine Isabella Kombi zum herumgurken. Nebenbei handelte er mit alten Porsches (356) und sonstigem Edelkram mit Motor.  Hartmut hatte alles was man so braucht, von der Dalex bis zum Sandstrahlgebläse. So wird man angefixt! Und sowohl mein T1 als auch mein Ex-Stadtwerke-Käfer in grau liefen wirklich erheblich besser mit der Maschine vom 356 B.

Später tat ich es den Peugeot 504 gleich und ging auch nach Afrika. Die schnellen Frauen waren auch wichtiger geworden, danach in Berlin war eh keine Zeit und kein Platz für die Schrauberei… die Geschichte könnte nun zu Ende sein.

Es geschah auf dem Flugplatz Dortmund-Wickede. Nach der Landung hatte sich Sixt nicht lumpen lassen und dem langjährigen treuen Kunden ein Z3 M Coupé zum Golf-Preis bereitgestellt. Ich sackte mein Töchterlein ein, die der Grund meiner Reise war und wir erkundeten das Sauerland. Mit ausgeschaltetem ESP natürlich.

Z3M Coupe

Einmal Schrauber, immer Schrauber. Ich mache schon längst wieder fast alles selbst und habe herausgefunden, daß auch eine Kennfeldzündung mit sechs Zündspulen und das Doppelvanos auf die Gesetze der Physik achten und somit begreifbar sind.

Die Kombination von wenig Gewicht und großem Motor wird wohl nie an Reiz verlieren und so spuckt die Automobilindustrie doch ab und zu mal wieder eine Perle aus, unter die man sich legen mag. Glückauf!

(Dieser Text soll den Einstieg bilden für eine lose Folge von Bemerkungen zum rostigen Hobby, das ja längst sein Nischendasein verlassen hat. Meine eigenen Vorlieben haben sich bei genauer Betrachtung gar nicht verlagert, denn ich bin den Youngtimern treu geblieben. Nur die Zeit blieb nicht stehen und so sind aus diesen mittlerweile echte und begehrte Oldtimer geworden.)

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